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Bergwerkmuseum, Prettau (Erz, Kupfer)

Hochwertiges Kupfer aus dem Ahrntal
Das Prettauer Kupfer war sehr dehnbar und daher besonders für die Drahtproduktion geeignet. Auch heute noch gibt es eine Kupferdrahtfirma in Sand in Taufers. Doch auch für die Produktion von Messing wurde das Kupfer verwendet.

Das Bergwerk in Prettau hat viele Jahrhunderte die Wirtschaft des Tales geprägt. Von der Blütezeit im ausgehendem Mittelalter bis zur endgültigen Stilllegung 1971 haben viele Generationen Arbeit gefunden.
Im ganzen Tal findet man auch heute noch Spuren dieser Tätigkeit. Beginnend beim Berggerichtsgebäude, den Ruinen der Schmelze und den Stollengängen in Prettau bis hin zum Kornkasten in Steinhaus, der heute zu einem Museum umgebaut worden ist.
Auch die Landschaft wurde durch die extensive Rodung des Waldes stark verändert.

Attraktion im Besucher-Bergwerk ist ein Klimastollen, in denen Allergiker und Asthmatiker ihre Krankheiten auskurieren können. 1100 m im Berginneren herrscht ein spezielles Mikroklima, das Menschen mit Atemwegsproblemen sehr gut tut. Auch die Luft im Stollen ist allergen- und pollenfrei und es herrscht eine konstante Temperatur von 9°. Weiters herrscht eine geringe absolute Luftfeuchtigkeit (bei 9° ca. 8,64 g Wasser pro m³ Luft) und eine relative Luftfeuchtigkeit von 95%.




Aktueller Zustand:
      betriebstüchtig
Denkmalgeschützt mit LAB Nr.:
      nein
Für Publikum zugänglich:
      Ja
Baudaten:
      Betriebsende: 00-00-0000

Saison:
      01-04-0000 bis 31-10-0000
Offen von:
      09:30:00 bis 16:30:00
Panorama

Prettau liegt auf 1476 m Seehöhe. Der Gemeindebereich reicht von 1462 m bis 3499 m. So ist es in diesen Höhen ziemlich kühl. Zu berücksichtigen ist auch, dass der Winter in diesen Regionen sehr lange anhält. Zusammenfassend entspricht das Klima aber ungefähr dem wie es im gesamten Pustertal herrscht. Nàmlich mit einem Sommer der langanhaltende Schònwetterperioden mit sich bringt und einem endlosen Winter mit viel Schnee.

Das Bergwerk am Retten- oder Rhötenbach, wie das Werk noch genannt wird, liegt im Ahrntal. Das von Bruneck hereinziehende Talbecken gabelt sich bei Schloss Taufers. Nach Osten erstreckt sich dann das Reintal und nach Norden das Ahrntal Im hntersten Teil des Ahrntales liegt, nahe der Dreiherrnspitze (3499), Prettau.
Die, seit 1958 eigenständige Gemeinde umfasst mit den Ortsteilen Heilig Geist und Kasern über 8.500 Hektar Land. Auch der nördlichste Punkt Italiens, der Glockenkarkopf liegt dort.




Anfahrt
Von Bruneck, dem Hauptort des Pustertales, das breite Tauferertal nordwärts bis Sand in Taufers. An der Klamme unter Burg Taufers vorbei ins Ahrntal. Dann durch Steinhaus. Kurz vor dem Talschluss nochmals eine Talenge durchquerend öffnet sich das Tal und man erreicht die Ortschaft Prettau. (breite Aue)

Prettau ist leicht erreichbar mit Auto und Bus.

Wegbeschreibung


Technik

Das Erzvorkommen wurde in verschiedenen Stollen abgebaut.
Vom Ausbiss (an der Oberfläche zutage tretende Erzader) oben, bis zum Erbstollen (untester Stollen) finden wir in Prettau sieben bedeutende Stollen, die vom Berghang aus zum Erzkörper im Berg aufgefahren wurden und von oben nach unten länger werden.
Als Fundbau d.h. dort wo das Kupfererz entdeckt wurde, gilt der St.-Wilhelm-Stollen. Er ist somit der älteste und oberste Stollen und von ihm aus nahm der Bergbau seinen Ausgang.
Da gab es den St.-Ignaz-Stollen der nach Ignaz Graf Tannenberg benannt worden ist. Dieser Stollen ist der sogn. Erbstollen, d.h. dass er am tiefsten liegt und vorrangig für die Förderung und Wasserableitung zuständig war. Der Eingang des St.-Ignaz-Stollens liegt in 1524 m Seehöhe. Der Stollen wurde als letzter im Jahre 1761 angeschlagen. Erst 44 Jahre darauf stieß man auf Erz. Später wurde im Stolleninneren ein 90 m tiefer Schacht abgeteuft. In drei Horizonten (Ottilienlauf in 44,7 m, Karl-Lauf in 67,3 m und Hugo-Lauf in 90 m Tiefe) versuchte man dann den Erzvorräten nach unten nachzugehen.
Ein weiterer Stollen ist der St.-Nikolaus-Stollen. Dieser wurde im Jahr 1611 angeschlagen und drei Generationen später, also 1698, erreichte man das Erz. Unter anderem gab es auch noch den St.-Christoph-Stollen. 1605 stieß man erstmals auf Gestein. Mehr als 100 Jahre konnte hier erfolgreich geschürft werden. Rund 100 m höher als der St.-Christoph-Stollen ist der St.-Johannes-Stollen. Weitere Stollen waren der St.-Marx-Stollen (182 m lang) und der St.-Sebastian-Stollen (130 m lang). Die beiden waren verbunden und bildeten in der zweiten Hälfte des 16. Jh.s die ertragreichste Grube.
Das Mundloch (Stollenöffnung) aller Stollen befindet sich im Freien. Das geht darauf zurück, da alle Stollen auch zur Wasserableitung verwendet wurden.

Durch das viele saure Wasser in den Stollen gab es in Prettau eine besondere Technik, Kupfer nicht nur durch Erzabbau zu gewinnen. Es besteht in der Gewinnung des Kupfers aus den sauren Wassern (Ph-Wert von 2,3 - 2,6) in denen es in Form von Kupfersulfat gelöst ist. Gemäß entsteht folgende Reaktion: Kupfersulfat + Eisen ----> Eisensulfat + Kupfer
Das Ausfällen des Kupfers ist die Folge des Ionenaustausches. Bei der Reaktion wird den sauren Wassern, Kupfer entzogen und das Eisen aufgelöst. Der Ph-Wert des Wassers verändert sich und steigt auf 2,8 - 2,9.
Diese Technik wurde zufällig entdeckt und wurde zusätzlich angewendet. So bestand seit 1561 in Prettau eine Zementkupferanlage. (das saure Wasser wird in Rinnen über Eisenstreifen geleitet)

Bis auf den St.-Ignaz-Stollen wurden alle Stollen in Handarbeit in den Fels geschrämt. Dabei hatten die Knappen meist 40 Jahre Arbeit einen Stollen zu schrämen und suchten dabei nichtmal nach Erz. So wurde in etwas investiert, was erst in 40 Jahren geschehen würde.

Dann gab es auch noch den Klafter, das war ein Stollen, der nach der Vorschrift die in allen Bergwerken herrschte, genau eine gewisse Tiefe haben sollte. Ein Bergbauarbeiter machte im Schnitt einen Klafter im Monat. Später, durch die Verwendung von Schwarzpulver als Sprengstoff schaffte ein Knappe zwei Klafter im Monat. Durch den Einsatz von Sprengstoff wurde die Arbeit also nicht nur erleichtert sondern man war auch doppelt so schnell.

Zur Verarbeitung des Erzes:
Um das geförderte Erz vom tauben Gestein zu trennen, wurde es zuerst gepocht und gewaschen. Dann musste es mindestens dreimal geröstet werden um den Schwefelgehalt zu reduzieren. Dann wurde es viermal geschmolzen und erreichte so eine hohe Reinheit.


Für den Erzabbau benutzten die Prettauer Knappen früher Eisen und Schlägel. Mit der einen Hand haben sie das Eisen auf den Stein aufgesetzt, mit der anderen haben sie mit dem Schlägel das Eisen in den Stein getrieben. Diese Technik nennt man Schrämen. Ab dem 18. Jh. fing man dann an, das Erz mit Schwarzpulver zu gewinnen.



Geschichte

Wann das Prettauer Bergwerk entdeckt und in Betrieb genommen wurde, weiß man nicht genau. Eine Volkssage berichtet, dass ein wildgewordener Stier mit seinen Hörnern Erdreich aufgewühlt und Kupfer freigelegt habe. Die Wirklichkeit sieht natürlich anders aus, denn ähnliche Sagen erzählt man sich auch in anderen Bergbaugebieten.

Erstmals in einer Urkunde erwähnt wurde das Bergwerk 1479 und bald darauf entstand das Berggericht mit Sitz in Steinhaus. Zu den ersten Gewerken zählten der Landesfürst und der Bischof von Brixen, aber auch Leute aus dem Tal und aus Bruneck besaßen Anteile im Bergwerk. Am Anfang des 16. Jh.s kaufte die Familie Welsberg alle Anteile. Ab 1568 stand das Bergwerk dann unter der Leitung des Christoph von Wolkenstein-Rodenegg, welcher es von seinem Grossvater Karl von Welsberg erbte. Während des Dreissigjàhrigen Krieges geriet der Betrieb in finanzielle Schwierigkeiten und wurde vom Brixner Kaufmann Ludwig Perkhofer und dem Brunecker Grosshändler Stefan Wenzel übernommen. Als dann im Jahr 1676 der Schwazer Gewerke Georg Tannauer und zwei Neffen Wenzels als Gesellschafter eintraten, wurde der Kupferbergbau wieder aktiv.
Später wurden durch Kauf die Grafen Enzenberg alleinige Besitzer des Werks.
1893 aber hatte Graf Hugo von Enzenberg, ein Bergbaufachmann, die unangenehme Aufgabe, den durch die Konkurrenz überseeischer Minen unrentabel gewordenen Bergbau schließen zu müßen.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges gewann das Prettauer Kupfererz wieder an Attraktivitàt, denn Kupfer galt, nach Eisen, als zweitwichtigstes Metall der Rüstungsindustrie. Aber alle Versuche während des Krieges den Bergbaubetrieb wieder aufzunehmen, scheiterten.

Bis ca. 1550 wurde das Erz in Prettau selbst geschmolzen. Durch den hohen Gebrauch an Holzkohle wurde verhältnismäßig viel Wald abgeholzt. So bestand hohe Lawinengefahr. Daher hat man die Schmelze talaus verlegt. Schmelzhütten bestanden nun in St. Peter (Marche), Steinhaus und St. Johann (Kofl, Wüer, Arzbach). Ab 1757 war nur mehr das Arzbacher Schmelzhaus in Betrieb. Nachdem das aber von einer Mure zerstört wurde, hat man nahe dem St.-Ignaz-Stollen eine neue Schmelzhütte errichtet, dessen Ruine es heute noch gibt.





Fotogalerie

imgqqPWjF.jpgRuine der Prettauer Schmelzhütte
Die Hütte war von 1880-1893 in Betrieb. Sie wurde nach der Vermurung der Arzbacher Schmelzanlage nahe dem St.-Ignaz-Stollen errichtet und war das letzte betriebsfähige Schmelzwerk in Prettau.
Eine museale Restaurierung ist geplant.
AutorIn/Copyright:Rigott Martha
imgF2Wj6N.jpgBergrichterhaus in Mühleck
Das Berggerichtshaus ist heute im Privatbesitz. Es trägt die Jahreszahl 1586 am Torbaogen. Das kleine Haus daneben war das Gefängnis, dort wurden die Bergleute die sich etwas zu Schulden kommen ließen eingesperrt.
imghrK0sm.jpgKupfererz
imgbBi39t.jpgModell eines Schmelzofen in Steinhaus
Die Gewerken von Prettau verhütteten das gewonnene Erz in unmittelbarer Nähe des Bergwerks im Talgrund. Im Jahr 1563 als die Wolkensteiner das Prettauer Bergwerk übernahmen waren sechs Schmelzöfen in Betrieb. Da der Holzverbrauch so groß war, lichtete sich der schmale Waldgürtel über das Dorf von Prettau, dass akute Lawinengefahr bestand.
Wie das Erz geschmolzen wurde, wussten nur Eingeweihte. Die ersten Nachrichten über das Schmelzen stammen aus dem Jahr 1528. Luden Erzfuhrleute das Erz bei den Hütten ab, wurde es gemessen und getrennt nach Kies-und Schiefererz gelagert. Das geschah weil man nun aus Kieserz Kupfervitriol herstellen konnte. 1528 gewann man nach siebenmaligem Erhitzen gutes Kupfer. Dreimal wurde es auf Rosten erhitzt um es durch Abscheiden von Schwefel geschmeidig zu machen. Vier Feuer dienten dem eigentlichen Schmelzvorgang im Ofen. Der Schmelzofen war viereckig aus Steinen gemauert und innen mit Lehm ausgestrichen.
img8zPP2w.jpgBlasbalg für Schmelzofen
Nachdem er mit Kohle und Erz gefüllt worden war, musste zur Erreichung des Schmelzpunktes Frischluft zugeführt werden, was durch ein Loch in der Rückseite geschah. Blasbälge wurden dazu vom Wasser angetrieben. Das Erz floss dann über einen kleinen Kanal in Formen ab wo es dann erkaltete.
img2OFXYb.jpgGeschmolzenes Erz
imgBFTC68.jpgKornkasten in Steinhaus
Der Kornkasten war Verwaltungszentrum un Lebensmittelmagazin des Bergwerks. Seit Herbst 2000 befindet sich dort das Bergbaumuseum Steinhaus. Wertvolle Holzmodelle von Einrichtungen des Bergwerks, Gemälde, kunstvoll verzierte Grubenkarten, Bücher, Dokumente und Fundstücke aus dem Bergwerk kann man dort bewundern.


Literatur

Südtirol Bildwanderbuch. Bergwerke, Höhlen, Heilquellen

AutorIn: Herbert Kuntscher
Verlag: Steiger Verlag
Erscheinungsort: Berwang/Tirol
Erscheinungdatum: 00-00-1990
Pustertal
Landschaft, Geschichte und Gegenwart an Drau, Rienz und Ahr
AutorIn: Josef Rampold
Verlag: Athesia
Erscheinungsort: Bozen
Erscheinungdatum: 00-00-1972
Südtirol: Bergbau
S. 19
AutorIn: Vittfrida Mitterer
Herausgeber/Zeitschrift: In: Industriearchäologie. Zeitschrift für Technikgeschichte Jg 10, Nr. 3
Verlag: Oskar Baldinger
Erscheinungsort: Schweiz
Erscheinungdatum: 00-00-1986
Silber, Kupfer, Blei...
Bergbaugeschichte und Mineralien in Südtirol
AutorIn: Kurt Folie
Verlag: Tappeiner
Erscheinungsort: Bozen
Erscheinungdatum: 00-00-1987
Bergbau in Südtirol

AutorIn: Gene R. Sensenig (Hg.)
Verlag: Grauwerte im Institut für Alltagskultur
Erscheinungsort: Salzburg
Erscheinungdatum: 00-00-1984
Der mittelalterliche Bergbau in Südtirol und im Trentino
Hausarbeit aus Geschichte S. 52 - 77
AutorIn: Waltraud Stolzlechner
Erscheinungsort: Innsbruck
Erscheinungdatum: 00-00-1979
Bergbaukultur in Südtirol

AutorIn: Gerhard Heilfurth
Verlag: Athesia
Erscheinungsort: Bozen
Erscheinungdatum: 00-00-1984