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Schuhfabrik Gebrüder Rossi, Bozen

Ehemalige Schuhfabrik Gebrüder Rossi (auch Schuhfabrik Fratelli Martini)
Neben den großen Industriekomplexen des Regimes kam es in der „Industriezone“ in Bozen 1938 auch zur Ansiedlung einer Schuhfabrik der Firma F.lli Rossi. Die Schuhfabrik war von 1940 bis 1960 aktiv und wurde dann vom Stahlproduzenten Falck übernommen, welcher dort neben anderen Zweigen die Rasierklingenproduktion „Lama Bolzano“ ansiedelte. Heute wird das Gebäude von den Stahlwerken Valbruna genutzt.





Baubeschreibung:

Bei dem ehemaligen Industriekomplex der Schuhfabrik handelt es sich um eine ausgefeilte Lösung der Bauaufgabe, bei der ein Industriebau in eine vorgegebene Ecksituation in interessanter Weise eingefügt wurde. Von der Straßenseite zeigt sich dem Betrachter ein über Eck gebauter Mantelbau mit einem hohen quadratischen Gebäude mit Eingang und zwei niedriger gehaltenen den Straßenfluchten entlanglaufenden Längsbauten. Im Inneren wiederholt sich die abgekappte Dreieckslösung in verkleinerter Form und endet unter Aussparung eines internen Innenhofs in vier verschieden großen tonnenüberwölbten Ausläuferbauten, die ebenso axial in das vorhandene Areal vordringen. Diese hintersten Ausläuferbauten tragen eigenartige Dachlichten, die dem ganzen einen eigenwilligen Charakter geben. Der Mantelbau, der das dahinter Liegende von der Strasse her verdeckt, kann als rein rationalistischer Bau beschrieben werden. Das zweigeschossige Frontgebäude wirkt durch die vollständige Verkleidung mit roten Klinkerriemchen imposant. Die Mittelachse wird durch den Eingangsbereich und die darüber liegenden fünfteiligen Fenster betont. Die Schmalseite des Frontbaus zeigt jeweils ein vertikales Fenster. Die Seitenflügel bestehen aus zwei (rechts drei) verschieden hohen Baukörpern. Charakteristisch sind die horizontal verlaufenden Fensterbänder. Der vom Frontbau nach links (entlang der Toricelli- Strasse) verlaufende Flügel hat am höheren Bau auf 3 Achsen zwei horizontale Fensterreihen und am lang gezogenen niederen Bau die charakteristische einzelne horizontale Fensterreihe. (21 Achsen). Der vom Frontbau nach rechts (in die Voltastrasse) verlaufende Flügel hat auf 8 Achsen zwei horizontale Fensterreihen und der niedere Anbau hat auf 6 Achsen eine einzelne horizontale Fensterreihe. Die Horizontalität wird unterstrichen durch die Bereiche zwischen den Fenstern, in denen die rote Farbe der aufgeklebten Klinkerriemchen die Längsausrichtung der Bauteile zusätzlich betont.Im Innenbau wiederholt sich die die Längsachse unterstreichende farblich betonte Fensterreihung, die für diesen Bau so charakteristisch ist; ebenso an den hinteren Ausläuferbauten.Alles in allem zeigt sich eine äußerst interessante Baulösung, wenn auch von unbekannten Vertretern der rationalistischen Bauweise geplant. Heute ist nur noch der Rahmenbau im Original erhalten. Der innere Teil des Komplexes ist aus Gründen der geänderten Produktion von der Firma Falck im hinteren Teil verändert worden. Es sind nur noch die zwei nebeneinander gebauten axialen Ausläufer erhalten; der rechte Ausläufer sowie der kleinere Baukörper in der Mitte wurden abgerissen und durch eine zentrale Sheddachhalle ersetzt. Im restlichen Areal befinden sich mehrere neue Produktionsgebäude (Dunkelhallen), die von der Firma Valbruna benutzt werden.


Denkmalgeschützt mit LAB Nr.:
      Nicht denkmalgeschützt; wird von den Bozner Stahlwerken Valbruna genutzt
Baudaten:
      Baubeginn: 00-00-1938
      Inbetriebnahme: 00-00-1940
      Betriebsende: 00-00-1940
      AuftraggeberIn: Attilio Rossi
      Projektant/Erfinder: Emilio Emmer und Luigi Colombo (Direktor der Società Siderocemento)
Panorama

Anfahrt: Der Bau befindet sich in der Bozner Industriezone an der Ecke Torricelli – Strasse - Voltastrasse direkt im Anschluss an die Reschenbrücke. Gut erreichbar vom Stadtzentrum Bozen, von der Autobahnausfahrt Bozen Süd und vom Zugbahnhof Bozner Messe.

Technik

Leider haben sich zum Arbeitsablauf in der Schuhfabrik in Bozen keine fotografischen Quellen erhalten. Ein Werbetext der Mutterfabrik in Verona, der im Stadtarchiv Bozen aufbewahrt wird, gibt jedoch Auskunft über die verschiedenen Arbeitsschritte der Schuhproduktion. Es gab ein großes Magazin für die rohen Häute, Säle für die Gerberei des Unterleders, des Oberleders und des Sohlenleders. Von den Magazinen gelang das Leder in einen Saal, wo es geschert wurde, dann in den Saal, wo es geschnitten wurde, mit einer eigenen Abteilung für den Schnitt des Oberleders. Weiters gab es einen großen Raum in dem das Leder genäht wurde und einen Bereich, wo die Stöckelung stattfand. Nach der endgültigen Fertigstellung der Schuhe mussten diese verpackt und gelagert werden bzw. in den Speditionsräumen zum Abtransport aufbewahrt werden.

Geschichte

Die Firma F.lli Rossi betrieb bereits seit 1913 in Verona eine Gerberei für Lederwaren und übernahm 1917 von den Brüdern Martini deren Schuhfabrik im Quartiere Venezia in Verona. So entstand die Schuhfabrik Fratelli Martini di A.G.Fratelli Rossi. Der Betrieb in Verona beschäftigte 150 Arbeiter, vor allem Frauen, und produzierte 100.000 Paar Schuhe im Jahr (Schuhe für zivilen Gebrauch, Kinderschuhwerk und Militärschuhwerk). Besitzer war Attilio Rossi, der den Titel „cavaliere del lavoro“ trug. Im Dezember 1938 bat Attilio Rossi um Zuteilung eines Grundstücks in der Bozner Industriezone, um als „Calzaturificio Fratelli Martini“ dort Lederschuhwerk zu produzieren. Dem zukünftigen Betrieb wurde eine Eckparzelle von 45.000 qm zwischen den ehemals nach Mario Giona und Luigi Razza benannten Strassen zugewiesen, von denen 10.000 qm mit industriellen Gebäuden bebaut werden sollten. Die damalige Presse (La Provincia di Bolzano) vom 26. Mai 1939 berichtet von großen Zukunftsplänen für diese neue Einrichtung. Zunächst sollten 300 Arbeiter eingestellt werden, die in etwa 800 Paar Schuhe täglich produzieren sollten. Im Laufe der Jahre würde die Angestelltenzahl auf 800 steigen und die tägliche Schuhproduktion sich auf 2000 Paar Schuhe pro Tag belaufen. Die Ansiedlung des Betriebes in Bozen wurde als große Errungenschaft für die Stadt und seine Industrie gefeiert mit der Zukunftsaussicht, einer der größten Lederwarenbetriebe Italiens zu werden. Im Pressebericht wird eine Zeichnung des geplanten Industriebaus veröffentlicht (siehe Fotogalerie). Tatsächlich wurde die angestrebte Beschäftigungszahl niemals erreicht. Der Betrieb hatte mit 350 Arbeitern in den Jahren des Zweiten Weltkriegs die größte Auslastung und produzierte vor allem Lederwaren für das Heer. Die Schuhfabrik war von 1940 bis 1960 tätig mit einer durchschnittlichen Beschäftigtenzahl von 150 ArbeiterInnen, und musste 1960 wegen mangelnder Rentabilität die Produktion nach Verona zurückverlegen. 1964 wurde das Areal vom Stahlproduzenten Falck übernommen, welcher dort verschiedene Zweige der Produktion (Wärmebehandlung, Kaltbearbeitung der Rohlinge, Feinschliff und Endabnahme) sowie die Produktion von Rasierklingen ansiedelte. Das Areal wird bis heute noch in Anbetracht seiner Geschichte „stabilimento R (wie Rossi) genannt und über dem Eingang erinnert neben dem Firmenemblem der Gruppe Falck die Aufschrift LAMA BOLZANO an die Rasierklingenproduktion, die bis zum Jahre 1988 in diesen Fabrikhallen erfolgte.

Kontakt

Acciaierie Valbruna
Voltastrasse 4
39100 Bozen
Tel: 0471/924111
Webseite: www.acciaierie-valbruna.com


Fotogalerie

ansicht.JPGDie ehemalige Schuhfabrik Fratelli Martini
Copyright: Monika Franceschini
Zeichnung.JPGZeichnung der geplanten Schuhfabrik, 1939
Quelle: La Provincia di Bolzano, 26. Mai 1939
Innenbau.JPGDer Innenbau der ehem. Schuhfabrik um 1939
mit Firmenemblem (Fratelli Martini Verona) über dem Eingang. Copyright: Archiv Iveco
HeutigeAnsicht.JPGGesamtansicht der heutigen Bausituation
Von einem Hochhaus gegenüber fotografiert, 2006 Copyright: Monika Franceschini
RFluegel.JPGRechter Flügel der ehemaligen Schuhfabrik
Copyright: Monika Franceschini
LinkerFluegel.JPGLinker Flügel des Mantelbaus
Copyright: Monika Franceschini
Auslaeuferbauten.JPGDie hinteren Ausläuferbauten
Copyright: Monika Franceschini
Firmenemblem.JPGFirmenemblem Fratelli Martini Verona
Quelle: Stadtarchiv Bozen


Literatur

Nella zona industriale sono iniziati i lavori per la costruzione di un grande calziturificio

AutorIn: unbekannt
Herausgeber/Zeitschrift: Tageszeitung La Provincia di Bolzano
Erscheinungsort: Bozen
Erscheinungdatum: 26-05-1939
Il prefetto visita il calziturificio Rossi alla zona industriale

AutorIn: unbekannt
Herausgeber/Zeitschrift: Tageszeitung La Provincia di Bolzano
Erscheinungsort: Bozen
Erscheinungdatum: 04-08-1940
Quelle scarpe fatte alla Zona. La breve parabola del "calziturificio Fratelli Rossi"

AutorIn: Fiorentino, Waldimiro
Verlag: Tageszeitung: Alto Adige
Erscheinungsort: Bozen
Erscheinungdatum: 10-07-1999
Die Baugeschichte der Industriezone Bozen
Diplomarbeit an der Universität Innsbruck
AutorIn: Franceschini, Monika
Erscheinungdatum: 00-03-2006