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Stahlwerke-Societá Acciaierie di Bolzano SA, Bozen, 1935

Die italienische Eisen- und Stahlindustrie ist als bedeutendster Industriezweig erst in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg entstanden, mit dem Ziel eine heimische Basis für die Industrialisierung des Landes aufzubauen. Von den Rohstoffgrundlagen her war Italien für den Aufbau einer Stahlindustrie ungeeignet, da größere Vorkommen an Rohstoffen im Inland fehlten. Die Eisenerzerzeugung im Land ist sehr gering; die Erze werden vorwiegend aus Südamerika und Afrika importiert. Wichtigster Rohstoff für die Rohstahlerzeugung war deshalb seit je her Schrott.In den dreißiger Jahren begann in Europa ein rasanter Anstieg der Nachfrage von Qualitätsstahl und Spezialstählen. Sie wurden nicht nur für die mechanische Industrie gebraucht, die in dieser Zeit einen Aufschwung erlebte, sondern ebenso für die Bewaffnung von Heer und Marine und in der Flugzeugindustrie. Die Wichtigkeit des elektrischen Stahlschmelzofens wuchs enorm an. Von Mussolini persönlich bei einem Besuch in Sesto San Giovanni dazu aufgefordert, beschloss Firmenchef Giorgio Enrico Falck 1935 in Bozen das Zweigwerk „Accaierie di Bolzano“ zu eröffnen. Obwohl der Standort weit entfernt von den klassischen Absatzmärkten war, sprachen die Vorteile einer günstigen Einfuhr von Altmetallen aus Deutschland und eine billige Versorgung mit elektrischem Strom für die Ansiedlung in Bozen. Elektrische Energie war für diesen Betrieb der wichtigste, den Ausschlag gebende Produktionsfaktor. Im Vergleich zu Lancia verbrauchte der Stahlproduzent etwa fünf Mal soviel elektrische Energie wie das Automobilwerk. Beliefert wurden die Stahlwerke von der großen Elektrozentrale in Kardaun.
Notwendige Zusätze wie Tungsten, Molybden und Vanadium dürften vor allem aus Nordeuropa und damit über den Brenner nach Bozen gekommen sein.

Baugeschichte und Baubeschreibung: 

Der Grundstücksankauf wurde in diesem Fall nicht von der Gemeinde mit den möglichen Enteignungsmethoden getätigt, sondern von einem in Bozen tätigen Ingenieur namens Luigi Piombo, was von der Südtiroler Bevölkerung als weniger einschneidend angesehen wurde. Die Grundstücke wurden erst bei direktem Bedarf angekauft und auch die Entschädigung für die Verkäufer war in diesem Fall besser als bei anderen Grundstücksankäufen in der Zone. Die zu besetzende Fläche von 132.000 qm, von denen 40.000 qm überdacht werden sollten, war am östlichen Ende der Industriezone angesiedelt und hatte, wie alle großen Betriebe der Zone, einen direkten Zugang zu den Eisenbahngeleisen. Luigi Piombo dirigierte auch die Bauarbeiten. 
Man begann 1935 mit dem Bau eines Bürogebäudes an der an der Luigi Razza – Straße, das im Juli 1936 fertig gestellt wurde. Gleich darauf begannen die Arbeiten für die Werkhallen.Mit der Ausführung der Bauten wurde der ortsansässige Architekt Lino Madile beauftragt. Er war Besitzer einer lokal bekannten Baufirma, die 1907 gegründet worden war, und vor und nach dem Ersten Weltkrieg zahlreiche öffentliche und private Bauten in Bozen und Umgebung (Schulen, Banken, Gasthäuser usw.) realisiert hatte. 
Die originalen Werkshallen sind im Wesentlichen erhalten. Es handelt sich um massiv wirkende Stahlbetonkonstruktionen, die mit Ziegelwänden und großen Fensterflächen ausgefüllt wurden. Anhand einer im Juli 1939 in der Monatszeitschrift Atesia Augusta veröffentlichten Abbildung der Stahlwerke werden in den folgenden Ausführungen die einzelnen Werkshallen und ihre Funktion beschrieben:  

1)       Ein Dreikantgebäude an der heutigen Lancia-Straße (damals Filippo Corridoni –Straße), das von vorne wie ein Bürogebäude aussieht, im Innenhof jedoch einen Flachbau mit vier Sheddachhallen beherbergt. Der Umfassungsbau ist eingeschossig. In ihm befanden sich die Umkleideräume, eine Mensa in dem vorderen Gebäudeteil und Werkstätten im Parterre und Magazine im ersten Stock in den seitlichen Gebäudeteilen. Die innerste Sheddachhalle beherbergte die Produktion von Rasierklingen. In den drei weiteren Hallen waren verschiedene Arbeitseinheiten der Dreherei untergebracht.
2)      Ein lang gezogener Bau mit Tonnendach und großen Fensterflächen im oberen Bereich, der direkt hinter dem Bürogebäude gebaut wird fast bis zur Mitte des gesamten Areals reicht. Bei diesem Bau bleiben die tragenden Stahlbetonträger außen und innen ersichtlich, da er unverputzt bleibt. Auffallend sind die rote Farbe der Ziegel und die abstechenden weißen Stahlbetonträger, die den Bau gliedern. Dieser Bau hatte und hat noch heute die Funktion eines riesigen Magazins, von dem aus der Abtransport des fertigen Produkts erfolgt.
3)      Im rechten Winkel dazu wird eine Reihe von vier ebenfalls mit einem Tonnendach überwölbten Werkhallen gebaut mit quadratischen Fenstern im unteren Bereich, von denen die ersten drei jeweils einen licht spendenden Aufbau tragen, der wiederum von einem kleineren gewölbten Dach überspannt ist. Es handelt sich um Stahlbetonkonstruktionen, die mit Vollziegeln aufgefüllt wurden. Auch die Tonnendächer bestehen aus Dachbindern aus Zement. Die Freiräume zwischen den Dachbindern wurden mit Vollziegeln gefüllt. Außen wurde die Dachkonstruktion durch Teeranstrich wasserfest gemacht. Diese Hallen dienen der Endbearbeitung des Stahls (Wärmebehandlung und Ausziehung im Kaltformverfahren).
4)      Das kleine rechteckige Gebäude ist das Labor der Stahlwerke. Es handelt sich um einen eingeschossigen Bau mit begehbarem Flachdach von dem sich im Archiv der Stahlwerke eine Ansichtszeichnung des Architekten Lino Madile erhalten hat.
5)      Das Gebäude in denen die eigentliche Stahlproduktion stattfindet (die eigentliche Acciaieria) ist ein zweischiffiges Gebäude mit offenem Giebel, damit die warme Luft entweichen konnte. Dieses Gebäude ist heute wegen der großen Emissionsgefahr mit einem Wellblechbau vollständig eingekleidet. Hinter diesem Gebäude befindet sich der Lagerplatz für das Schrotteisen, der heute von einer gewaltigen Metallkonstruktion überdacht wird; die beiden kleineren Gebäude vor der Acciaieria dienten und dienen auch heute noch als Gießerei und Tischlerei. In letzteren werden die Selen aus Holz gefertigt, die als Negativ dienen für die dann in Erdformen gegossenen Stahlteile.
6)      Bei dem dreischiffigen Gebäude mit erhöhtem Mittelteil rechts neben der Acciaieria handelt es sich um die Schmiedewerkstatt, in denen die Stahlteile mit Hämmern und Pressen weiter bearbeitet werden.
7)      Zwei längsgerichtete Gebäude und ein quergerichtetes Gebäude beherbergen das sog. Laminatoio (Walzwerk), also die verschiedenen Blechstrassen, in denen die Stahlteile nach Bedarf gewalzt werden.
8)      Die Hallen im östlichen Bereich des Areals, welche sich durch abwechselnde Höhe charakterisieren, bestehen aus Stahlträgerkonstruktionen mit Eindeckungen und Wandverkleidungen aus Blech. Es handelt sich um Vergrößerungsbauten des Walzwerkes. Diese Produktionseinheit erfuhr in den auf die Gründerjahre folgenden Jahrzehnten mehrere Erweiterungen.  

Nach 1939 entstand dann noch leicht zur Hautstrasse hin versetzt eine der ersten tonneüberwölbten Lagerhalle parallel verlaufende und auch charakteristisch ähnliche Halle am hinteren Ende der Abteilung Endbearbeitung. Diese Halle hat von der Mitte an einen erhöhten Dachaufsatz.Heute füllt eine weitere in derselben Charakteristik erbaute Halle den verbleibenden Platz zwischen den zwei parallel verlaufenden. Diese letzte transversale Lagerhalle wurde zusammen mit dem 1960 eingeweihten Gebäude der sozialen Dienste der Stahlwerke an der Voltastrasse errichtet.

Die Eingangssituation zu den Stahlwerken war am Beginn sehr einfach. Das gesamte Areal war von einer heute noch erhaltenen Mauer umgeben, doch der Eingang war ursprünglich nicht sonderlich hervorgehoben. Das Bürogebäude rechts neben der einfachen Einfahrt verrät eine rationalistische Planung. Es handelt sich um einen zweistöckigen rechteckigen Baukörper mit Walmdach, Balkonnischen in der obersten Etage (nur an der Fassade im Innenhof) und nüchterner Anordnung der Fenster. Das Gebäude hat einen niederen Anbau mit Dachterrasse und Balkon, der als Portierstelle diente. 

Die Eingangssituation, die sich uns heute zeigt, ist zu einem späteren Zeitpunkt errichtet worden, wahrscheinlich im Jahr 1941(?)und trägt Züge der faschistischen Machtarchitektur. Dem bestehenden Bürogebäude wurde ein weiteres gegenübergestellt, wodurch sich die Möglichkeit einer massiven Eingangslösung ergab. Das noch heute erhaltene Portal an der Alessandro Volta- Straße besteht aus vier Pfeilern mit Architrav und wird seitlich jeweils von einem einstöckigen schmalen Baukörper flankiert, der zwischen den Fenstern das Firmenemblem der Falcks (zwei ineinander verkreuzte Ketten) trägt. Der rechte seitliche Baukörper ist identisch mit dem niederen Anbau des erstbeschriebenen Bürogebäudes. Er wurde zu einem einheitlichen rechteckigen Baukörper umgebaut und zur Straßenseite hin mit massiven Porphyrquadern verkleidet. In diesem Bauteil befindet sich die Portierstelle. Alles in Allem sticht die Eingangssituation durch die rotbraune Farbe der Porphyrquaderung und durch die strenge Monumentalität stark ins Auge. Die Betriebsbezeichnung (Acciaierie di Bolzano) über dem Architrav wirkte dezent. Heute steht in blauer Schrift der Name der jetzigen Inhaberfirma (Acciaierie Valbruna).
 


Aktueller Zustand:
      betriebstüchtig
Denkmalgeschützt mit LAB Nr.:
      nein
Baudaten:
      Baubeginn: 00-00-1935
      Inbetriebnahme: 00-00-1938
      AuftraggeberIn: Giorgio Enrico Falck
      Projektant/Erfinder: Architekt Lino Madile, Bozen
      Erbauer/Konstrukteur: Architekt Lino Madile
Panorama

Anfahrt: Die Stahlwerke befinden sich in der Industriezone Bozen an der Alessandro Voltastraße, jener Straßenachse, welche die Reschenbrücke mit dem Bozner Stadtteil Oberau verbindet; gut erreichbar vom Stadtzentrum, von der Autobahnausfahrt Bozen Süd und vom Bahnhof Bozen Messe.

Technik

Die Produktion von Spezialstählen kann nur mit Hilfe von elektrischen Öfen erfolgen und so war der Betrieb von Anfang an mit einem – später mehreren  – elektrischen Öfen (Bogen- und Hochfrequenzinduktionsöfen) zu 40 Tonnen ausgestattet, die an 24 Stunden und 365 Tage im Jahr in Betrieb waren.Die Produktion der verschiedenen Spezialstähle erforderte die Einteilung in Arbeitsbereiche, die im Großen und Ganzen wie folgt beschrieben werden können: 1. Werkraum für die Erstbearbeitung mit Schmelzung und Walzung  2. Werkstätten für die Nachwalzung, Schmiedearbeiten und Feinarbeit3. Einrichtungen für die Wärmebehandlung 4. Abteilungen für die Kontrolle des Produkts und für die manuelle Endbearbeitung;Ein Artikel der damaligen Tageszeitung La Provincia di Bolzano über den Besuch des Präfekten Giuseppe Mastromattei in den Stahlwerken im August 1940 gibt Aufschluss über die einzelnen Arbeitsschritte und über die Abteilungen der damaligen Fabrik: Die erste Etappe des Lokalaugenscheins führte natürlich in den Bereich wo in den Öfen der Spezialstahl produziert wurde. Es wird betont, dass die Ausstattung den modernsten Kriterien für ein rationelles Arbeiten entsprach. Aus den Öfen floss ohne Unterbrechung das heiße Metall, das in entsprechende Formen gegossen wurde. Die zweite Etappe führte in die Werkhalle der Schmiede, Pressen und Hämmer. 12 Tonnen schwere Barren wurden dort nochmals erwärmt und unter die große Presse transportiert, mehrmals gedreht bis sie ausgedünnt waren und die gewünschte Form erhielten. In einer weiteren anliegenden Werkshalle befanden sich die Walzwerke. Hier wurden die Barren erneut geformt, ausgedünnt, eingedreht oder in runde Formen gebracht. Die Arbeiter manövrierten die Arbeitsstücke mit langen Zangen von Maschine zu Maschine. Der Prozess verlangte rasche, aber präzise Arbeitsgänge. Die letzte Etappe des Lokalaugenscheins führte in die mechanische Werkstatt, in der die Kontrolle und manuelle Endbearbeitung erfolgte. Weiters wurden dem Präfekten die Umkleideräume der Arbeiter, hygienische Einrichtungen und der betriebseigene Luftschutzkeller gezeigt. Gelobt wurde das Analyselabor, indem der produzierte Stahl kontrolliert wurde und wissenschaftliche Studien zur Perfektionierung der Produktion gemacht wurden. Die Ergebnisse einer Betriebsbesichtigung im Jahr 1963 des Ökonomen Otto Christl ergaben ebenfalls das Bild eines Produktionsablaufs nach modernen Gesichtspunkten. In den 1960er Jahren wurde der Schrott vom Lagerplatz mit großen, elektromagnetischen Hebern abgeholt und, nach automatischer Wiegung, in die Öfen verbracht, wo er im elektrischen Flammenbogen geschmolzen, auf den richtigen Kohlenstoff gebracht und mit Legierungszutaten versetzt wurde. Gearbeitet wurde nun an drei Lichtbogenöfen mit der ungewöhnlich hohen Kapazität von je 80 t; außerdem gab es für die Herstellung verschiedener Spezialstähle zwei Induktions – Hochfrequenzöfen. Mit Hilfe von Kränen wurde das glühende Metall zur Weiterverarbeitung befördert. Eine große Walzstrasse und mehrere Spezialwalzwerke für komplizierte Profile wie auch ein Bänderwalzwerk standen bereits zur Verfügung. Alles war weitgehend automatisiert. Bevor der Block auf die Walzanlage kam, wurde mittels einer elektrischen Waage sein Gewicht festgestellt. Zur Herstellung von Schmiedestählen verfügte das Werk über eine Presse mit 1.000 t Druckkraft, welche Werkstücke bis zu 15 t bearbeiten konnte. Außer der üblichen Fertigbehandlung (Schleifen usw.) erfuhren besondere Werkstücke in der Fabrik eine mechanische Nachbehandlung bzw. wurden Maschinenteile für den Handel wie auch für den Werksbedarf erzeugt. Zur Sicherstellung des erheblichen Wasserbedarfs waren zwei große Hochwasserbehälter bestimmt, die mit 5 Pumpen versehen waren. Die heutigen Betriebsbetreiber Acciaierie Valbruna arbeiten ebenfalls mit Hochfrequenzinduktionsöfen, in denen in einem einstündigen Produktionsprozess rostfreier Stahl erzeugt wird. Heute sind einige Arbeitsschritte in den Sektor R (EX Schuhfabrik Gebrüder Rossi, Ecke Torricelli-/ Voltastrasse) ausgelagert.

Geschichte

Die Produktion wurde 1938 mit rund 400 Arbeitskräften aufgenommen. Es war von Anfang an klar, dass in Bozen nicht gewöhnliches Eisen und einfacher Stahl, sondern in erster Linie spezielle Stahlsorten für das Baugewerbe, für den Automobilbau und für die Luftfahrt erzeugt werden sollten. Neben Knüppel, Brammen und Walzdraht wurden hochwertige Stahllegierungen und Edelstähle hergestellt, wie z.B. legierte und unlegierte Baustähle, rostfreier, säureunempfindlicher und hitzeresistenter Stahl, speziell geschmiedete, gehärtete, vergütete, extra bruchfeste und reißfeste, gezogene und geschliffene Spezialstähle für besondere Ansprüche, die z. B. bei Kugellagern, Zahnrädern, Wellen von Turbinen und großen Dieselmotoren sowie im Werkzeugbau eingesetzt werden.Diese qualitative Produktion brachte Vorteile, da weniger Rohmaterial und auch kleinere Mengen an fertigen Produkten über große Entfernungen transportiert werden mussten. Die Arbeit an den elektrischen Öfen, welche 24 Stunden am Tag in Betrieb sein mussten, bedingte die Arbeit in drei Schichten. Die Arbeiter wurden auch in diesem Betrieb in Ermangelung an lokalen interessierten Kräften, anderswo beworben. Sie kamen zunächst mit ihren Familien aus Dongo und Vobarno, wo die Niederlassungen der Falck waren, und später kamen auch viele Arbeiter mit Familien aus Kalabrien, Sizilien und Sardinien. Aus den 400 Arbeitskräften im Jahr 1938 wurden 1942 bereits 750 und die Arbeiterzahl wuchs während des Krieges noch weiter an. Im Jahre 1943 gab es eine Produktionsminderung, da das Rohmaterial nicht mehr aus Deutschland angeliefert werden konnte. Auch nach dem Krieg gab es eine eingeschränkte Nachfrage und erst in den 50er Jahren schnellte die Nachfrage nach Spezialstählen endgültig in die Höhe. Die erhöhte Nachfrage bedingte neue Arbeitsplätze und eine konstante technologische Entwicklung im Produktionsprozess des Betriebes. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Stahlwerke Bozen bis heute zu einem spezialisierten Betrieb entwickelt, der von den Angestellten gern als „accademia  dell’acciaio“ (Akademie der Stahlproduktion) bezeichnet wird, in der Hilfsarbeiter, Fach- und Spezialarbeiter und Diplomingenieure koordiniert zusammenarbeiten. 
Neben der Produktion von Spezialstählen war von Anfang an eine Abteilung vorgesehen, in der Rasierklingen hergestellt werden sollten. Bereits 1937 wurde das erste Produkt auf den Markt geworfen: die Rasierklinge „Falcon“ mit einer Produktion von 2 Millionen Stück im Monat. Ab 1941 wird dann unter Leitung von Bruno Falck, einer der Söhne des Gründers, die Spezialklinge „Lama Bolzano“ hergestellt. Obwohl mit der eigentlichen Produktion des Werks wenig gemein, erfreute sich die Rasierklingenproduktion großer Nachfrage. Nach 1960 wurde sie in den Sektor R verlegt (EX Schuhfabrik Gebrüder Rossi) und aus Gründen der Arbeiterführung aufrecht erhalten, um ältere Arbeiter, für die die anstrengende Arbeit im Stahlwerk zu schwer geworden war, weiterhin beschäftigen zu können.Die Ära Falck war geprägt durch ein paternalistisches Betriebsklima. Die Fabrik kümmerte sich in allen Bereichen um ihre Arbeiter. Die Familie Falck ließ mehr als 400 Wohnungen in Oberau und Leifers (Wohngegenden in der Nähe der Industriezone) bauen und war prozentuell an den Tätigkeiten des sozialen Wohnbauinstituts beteiligt. So garantierte der Betrieb den treusten Mitarbeitern eine Wohnung in der Nähe ihres Arbeitsplatzes und band die Mitarbeiter zusätzlich an den Betrieb.Mit dem Tod Bruno Falcks 1993 ging die Ära Falck zu Ende. Das gesamte Areal der Stahlwerke von 18 Hektar wurde 1994 vom Land Südtirol aufgekauft und der Firma Valbruna aus Vicenza verpachtet, welche die gesamte Belegschaft mit etwa 700 Arbeitern und Angestellten übernahm und unter Einhaltung der geforderten Umweltauflagen (Schallisolierung, Einbau von Luftfiltern usw.) die Produktion bis heute fortsetzt.  

Kontakt

Acciaierie Valbruna s.p.a.
Voltastraße 4
39100 Bozen
Tel: 0471/924111
Webseite: www.valbruna.com


Meilensteine

Giorgio Enrico Falck
Die Gruppe Falck aus Mailand nahm in Italien eine Vorreiterrolle ein, da sie in den 1930er Jahren als einzige italienische Stahlwerkgesellschaft die modernsten Technologien für die Produktion anwandte. Als Gesellschaft „Accaierie e ferriere lombarde Falck“ besaß sie bereits vor 1938 vier Ansiedlungen (das Hauptwerk von Sesto S. Giovanni bei Mailand, ein weiteres Werk in Mailand, eines in Dongo und in Vobarno), die etwa 2400 Arbeiter beschäftigten. Zusätzlich war die Gesellschaft im Besitz mehrerer Elektrozentralen, denn das wichtigste bei der Stahlproduktion mit Elektroöfen war eine günstige und konstante Versorgung mit elektrischem Strom, der eine volle Ausnutzung der Öfen an 24 Stunden am Tag und an 365 Tagen im Jahr ermöglichte. Die genannten Betriebe in der Lombardei wurden durch einen weit reichenden Markt an Altmetallen aus Südfrankreich beliefert und hatten in der Lombardei und im Piemont gute Absatzmärkte.



Fotogalerie

Beginn bau werkshallen.JPGBeginn des Baues der Werkhallen im Oktober 1936
Copyright: Foto Giacomelli, in: Le Vie d'Italia XLIII Jg, Februar 1937, Nr. 2
Flugaufnahme.JPGFlugaufnahme der Stahlwerke vor Juli 1939
in: Atesia Augusta, 1. Jg., Nr.5, Juli 1939
Labor der Stahlwerke.JPGAnsichtszeichnung des Labors der Stahlwerke
Mit Stempel des Architekten Lino Madile, datiert 22.Juni 1937 Copyright: Archiv des Stahlwerke
werbung.JPGWerbung für die in den Stahlwerken erzeugten Rasierklingen
in: Atesia Augusta, 4. Jg., Nr. 3, Mai 1943
Ehemalige Eingangssituation.JPGEhemalige Eingangssituation um 1936
Copyright: Foto Giacomelli, in: Le Vie d'Italia, XLIII Jg., Nr.2, Februar 1937
Buero der Stahlwerke.JPGDas erste Bürogebäude (Innenhofansicht)
Copyright: Foto Giacomelli, in: Le Vie d'Italia, XLIII Jg., Nr.2, Februar 1937
Buero jetzt.JPGDas erste Bürogebäude
Aufnahme:Mai 2002 unverändert Copyright: Monika Franceschini
Lagerhallen.JPGBlick auf die Lagerhallen im Innenhof der Stahlwerke
Copyright: Monika Franceschini Aufnahme: Mai 2002 heute unverändert
Transversale Halle.JPGBlick auf die transversale Halle im Innenhof der Stahlwerke
Aufnahme Mai 2002, heute unverändert Copyright: Monika Franceschini
Eingang.JPGHeutige Eingangssituation
Aufnahme: Februar 2006 Copyright: Monika Franceschini
Firmenemblem Falck.JPGFirmenemblem der Gruppe Falck zwischen den Fenstern
Copyright: Monika Franceschini
Zweites Buerogebaeude.JPGDas zweite Bürogebäude (Straßenansicht)
Copyright: Monika Franceschini Aufnahme. Februar 2006
Dreikantgebaeude.JPGStraßenansicht des Dreikantgebäudes
Copyright: Monika Franceschini
soziale Dienste.JPGDer Bau der sozialen Dienste der Stahlwerke
Copyright: Monika Franceschini Aufnahme Februar 2006
Schrottablageplatz.JPGAnsicht des Schrottablageplatzes
Copyright: Monika Franceschini Aufnahme Februar 2006
Wasserturm.JPGWasserturm an der Ecke Lanciastraße-Grandistraße
Copyright: Monika Franceschini Aufnahme Februar 2006


Literatur

Kritische Untersuchungen über die Industriezone Bozen unter besonderer Berücksichtigung des Standortproblems
Dissertation an der Universität Innsbruck
AutorIn: Christl, Otto
Erscheinungdatum: 00-00-1963
Die Baugeschichte der Industriezone Bozen
Diplomarbeit an der Universität Innsbruck
AutorIn: Franceschini, Monika
Erscheinungdatum: 00-03-2006
Industriebau zur Zeit des Faschismus in Südtirol, in: Industriearchäologie. Nord-, Ost-, Südtirol und Vorarlberg

AutorIn: Mitterer, Irmgard
Herausgeber/Zeitschrift: Bertsch, Christoph
Verlag: Haymon
Erscheinungsort: Innsbruck
Erscheinungdatum: 00-00-1992
Crisi e ristrutturazione del settore siderurgico. il caso delle Acciaierie di Bolzano
Tesi di laurea presso la facoltà di economia e commercio dell'Università degli Studi di Verona
AutorIn: Russo, Franco
Erscheinungdatum: 00-00-1988
Le grandi industrie in Alto Adige tra le due guerre mondiali

AutorIn: Visintin, Maurizio
Herausgeber/Zeitschrift: Museo storico di Trento
Erscheinungsort: Trient
Erscheinungdatum: 00-00-2004
Il Prefetto visita le Acciaierie.Nei reparti del grande stabilimento in piena attività. La produzione autarchica degli acciai speciali. Sosta nel laboratorio delle esperienze

AutorIn: unbekannt
Herausgeber/Zeitschrift: Tageszeitung La Provincia di Bolzano
Erscheinungsort: Bozen
Erscheinungdatum: 09-08-1940
Dio, Patria e acciaio. Una famiglia di industriali lombardi che ha fatto la storia della Bolzano italiana

AutorIn: Dello Sbarba, Riccardo
Herausgeber/Zeitschrift: Wochenzeitschrift FF- Die Südtiroler Illustrierte, 15. Jg., Nr. 52
Erscheinungsort: Bozen
Erscheinungdatum: 24-12-1994